Der Ursprung des Boxens – der Faustkampf

Nach heutigen Erkenntnissen ist es nicht genau bestimmbar, wann und wo der alte Faustkampf entstanden ist. Bis vor einigen Jahren glaubte man, dass der Ursprung des Boxens im antiken Griechenland liegt. Etwa 14000 Jahre alte Wandmalereien in China lassen jedoch vermuten, dass der Faustkampf von Asien über Babylonien nach Europa und Afrika gelangte. Hieroglyphenschriften aus dem Jahr 4000 vor unserer Zeitrechnung belegen die Verbreitung des Boxens innerhalb des ganzen Nil-Tals. Auch existiert ein Zeugnis über das Boxen auf der Insel Kreta aus dem Jahre 1500 vor unserer Zeitrechnung.

Im antiken Griechenland wurde das Boxen dann so weit entwickelt, dass es im Jahr 686 vor unserer Zeitrechnung in das Programm der XXIII Olympischen Spiele des Altertums aufgenommen wurde. Der erste Sieger hieß Onomostos von Smyrena. Die Kämpfe wurden auf Sandböden in Gymnasien oder im Freien ausgefochten und die Zuschauer bildeten die Grenzen des Kampfplatzes. Hände und Unterarme wurden mit weichen Lederriemen bandagiert und die Schläge durften nur zum Kopf des Gegners geführt werden. Gekämpft wurde solange, bis einer der Teilnehmer nicht mehr im Stande war den Kampf fortzuführen. Im Jahre 616 vor unserer Zeitrechnung wurde bei den 41. Olympischen Spielen des Altertums das Boxen für Jugendliche eingeführt. Die ersten Faustkämpfer waren zum größten Teil Aristokraten, denen bei einem Sieg große Ehre zu Teil wurde. Durch die immer höheren Prämien und Vergünstigungen entstand schon in der Antike eine Art Profitum, dass den Faustkampf grundlegend veränderte. Durch die finanzielle Abhängigkeit der Berufsathleten wurden härtere Bandagen (ein Riemengeflecht mit Lederschlagring) zum Schutz der Hand und zur Erhöhung der Schlagkraft eingesetzt. Seit dem Berufsboxen durften auch Sklaven am Faustkampf teilnehmen.

Mit dem Aufschwung des römischen Reiches gelangte der Faustkampf nach Rom, wo die Verrohung des Boxens in den Gladiatorkämpfen seinen Höhepunkt fand. Die Gladiatoren wurden gezwungen mit den sogenannten "Caestus" (Lederriemen mit zwei Eisendornen) an den Fäusten gegeneinander auf Leben und Tod zu kämpfen. Durch die Entstehung des Christentums und dem damit folgenden Untergang des römischen Reiches und der Sklavenhaltung verschwand auch die entartete Form des Faustkampfs und das Boxen geriet in Vergessenheit, da es im Mittelalter allgemein kaum sportliche Ertüchtigung gab. Lediglich aus Russland und Asien ist bekannt, dass es Faustkämpfe in unterschiedlicher Form gab. Einmal als Zweikämpfe wie im antiken Griechenland oder als Massenkämpfe, bei den sich ganze Gemeinden gegenüber standen. Diese Massenkämpfe waren auch auf den pazifischen Inseln Tonga und Hawaii verbreitet, wo sie meist einem Gott gewidmet wurden.

Boxen in der Neuzeit

Das Boxen entwickelte sich in Europa erst mit der Entstehung des Kapitalismus in England wieder. Im Jahre 1681 fand ein erster, schriftlich belegter Kampf statt und seit 1698 wurden im Londoner Königstheater regelmäßige Boxveranstaltungen durchgeführt. Bei diesen Veranstaltungen wurde vorher die Gage der Boxer, sowie die Zinsen auf die Wetteinsätze festgelegt. Das Boxen war wieder mit dem Geld verbunden. In dieser Zeit gab es noch keine Handschuhe und auch keine Regeln. Es gab auch keine Gewichtsklassen, so dass es nur einen Champion gab. Gekämpft wurde in der Regel solange, bis einer der Kontrahenten nicht mehr im Stande war den Kampf fortzusetzen. Auch zu Boden gegangene Kämpfer durften noch attackiert werden.

Im Jahre 1719 gewann James Figg den ersten Titel als "Champion of England", den er bis zu seinem Tod 1734 auch trug. Ein Jahr später gründete Figg die erste englische Boxschule und wurde zum Pionier und erstem Promoter des Boxsports. Er organisierte den wild wuchernden Boxsport in London, sorgte für ausverkaufte Veranstaltungen und verpflichtete die Kämpfer zu festen Honoraren. Jack Broughton, ein Nachfolger Figgs als Champion of England, versuchte 1743 den rohen Sport zu humanisieren und schrieb das erste Buch der Boxsportregeln, die "Broughton's Rules". Darin waren unter anderem Schläge unter die Gürtellinie verboten. Der Kampf dauerte bis einer der Gegner zu Boden ging. Wenn dieser nicht innerhalb von 30 Sekunden zurück in den Ring ging und sich seinem Gegner stellte, galt er als besiegt. Ein am Boden liegender oder besiegter Kämpfer durfte nicht mehr geschlagen oder in irgendeiner Weise gefasst werden. Die Regeln von Broughton waren bis 1838 gültig. Sie schränkten die brutalen Formen des Boxens ein und regelten auch das Honorar der Kämpfer. Jack Broughton hat auch die ersten Boxhandschuhe, die sogenannten Mufflers, entworfen. Diese wurden fast 150 Jahre lang aber nur im Training verwendet. Im Jahr 1747 veröffentlicht John Godfrey, der die ersten Meisterschaftskämpfe managte, das erste Lehrbuch des Boxens.

Das Boxen fand immer regeren Zuspruch und Peter Egen veröffentlichte im Jahr 1812 das erste zweibändige Boxbuch "Boxania". 1814 wurde in London ein Boxverband gegründet, der versuchte die Meisterschaften zu organisieren. Dieser Verband akzeptierte 1838 die "London Ring Prize Rules" nach denen sowohl die Kämpfe in England als auch in Amerika ausgeführt wurden. Die Kämpfe fanden im Quadratring mit der Fläche 24 Fuß (7.32 m2), der mit zwei Seilen von vier Seiten begrenzt war, statt. Wenn einer der Boxer sich zu Boden des Ringes niederließ, galt die Runde als beendet. In dieser Zeit wurde dem Geschädigten Hilfe im Laufe von 30 Sekunden geleistet. Nach 30 Sekunden mussten die Gegner im Zentrum des Ringes gegeneinander Platz nehmen und es begann die nächste Runde. Wenn im Laufe von 8 zusätzlichen Sekunden einer der Gegner nicht ins Zentrum des Ringes ging, wurde er als besiegt erklärt. Im Ring waren das Streiten, das Schimpfen, die Schläge mit Füssen und Kopf, und auch Schläge unter die Gürtellinie verboten. Gekämpft wurde jedoch immer noch mit den bloßen Fäusten (bare nuckle).

Am 30. Mai 1833 gab es nach dem Kampf zwischen dem Iren Simon Byrne und dem Engländer James Burkle den ersten Todesfall der modernen Zeit. Nach 3 Stunden und 15 Minuten bricht Byrne in der 99. Runde schwer getroffen zusammen und erwacht nicht mehr aus dem Koma.

Im Jahr 1860 fand die erste Weltmeisterschaft zwischen dem Engländer Tom Sayers und dem Amerikaner John Camel Heenan in Farnborough (England) statt. Nach 2 Stunden 20 Minuten und 42 Runden musste der Kampf abgebrochen werden, nachdem die Zuschauer den Ring stürmten und eine Fortsetzung des Kampfes verhinderten. Tom Sayers wurde zum unangefochtenen Titelträger ausgerufen.

1867 schufen der neunte Marquess of Queensberry, John Sholto Douglas, und John Graham Chambers die "Queensberry Rules" – die "Regeln des Boxens mit Handschuhen". Sie wurden die Grundlage eines modernen Regelwerks und bewirkten einen völligen Wandel im Boxen. Die Bestimmungen der "Regeln des Boxens mit Handschuhen" unterschieden sich von den "London Prize Ring Rules" in vier grundlegenden Punkten:

- die Kämpfer trugen Boxhandschuhe mit weicher Füllung

- eine Runde dauerte drei Minuten, anschließend gab es eine Minute Pause

- nach einem Niederschlag musste sich ein Boxer innerhalb von 10 Sekunden erheben, sonst galt er als besiegt und der Kampf war beendet

- alle Kampfhandlungen außer Schläge mit den Händen waren verboten.

Zusätzlich wurden die drei Gewichtsklassen Leichtgewicht (unter 100 Pfund), Mittelgewicht (bis 158 Pfund) und Schwergewicht (über 158 Pfund) eingeführt. Noch im selben Jahr fanden in England die ersten Meisterschaften in diesen drei Gewichtsklassen nach den "Queensberry Rules" statt. Seit die Faustkämpfe mit gepolsterten Handschuhen bestritten werden, sprechen wir vom Boxen. Die Regeln des Marquess of Queensberry haben sich in ihrer Grundform bis heute erhalten.

Im Jahr 1880 wird in England die Amateur-Boxing-Association (ABA) auf Initiative einiger Londoner Boxclubs gegründet. Sie wurde mit ihrem Regelwerk und ihrer Organisation zum Vorbild der Amateurboxsportorganisationen anderer Länder. Die ersten Meisterschaften der ABA fanden 1881 in London mit 4 Gewichtsklassen nach diesen Regeln, die auf den "Queensberry Rules" basieren, statt.

Im Jahr 1884 wird, 17 Jahre nach ihrer Einführung, die erste Weltmeisterschaft im Mittelgewicht nach den "Queensberry Rules" ausgetragen. Jack Dempsey (Irland) besiegt Georg Fulljams (Kanada) durch KO in der 22. Runde.  Fünf Jahre später findet die letzte Weltmeisterschaft nach den "London Prize Ring Rules" (bare nuckle) statt. John L. Sullivan (USA) besiegt Jack Kilrain (USA) nach 75 Runden. Diesen Titel verliert Sullivan jedoch drei Jahre später in seinem ersten Kampf nach den "Queensberry Rules" durch KO an James J. Corbett (USA)

1891 wurde in England der "National Sporting Club" (NSC) gegründet, der bald als regulierender Boxsportverband Großbritanniens gilt.

Im Jahr 1904 wird Boxen erstmals in das Programm der 3. Olympischen Spiele der Neuzeit in St. Louis aufgenommen.

1909 stiftete Lord Lonsdale die Meisterschaften um den "Gürtel der Herausforderer", die in 7 Gewichtsklassen, dem Fliegen-, Bantam-, Feder-, Leicht-, Welter-, Mittel- und dem Schwergewicht, ausgetragen wurden. 1914 folgte die Einführung des Halbschwergewichts. Zwar hatte es schon 100 Jahre davor Gewichtsklassen gegeben, sie waren aber nicht exakt bindend und auch für die geringeren Limits vorhanden. Nun gab es auch in dieser Hinsicht klare Regeln.

1912 entstand die deutsche Dachorganisation der bürgerlichen Vereine, der Deutsche Boxverband. Im gleichen Jahr trug dieser Verband die ersten Deutschen Meisterschaften aus, an denen sich 29 Sportler beteiligten. Der Deutsche Boxverband existierte nur zwei Jahre lang. Das öffentliche Boxen war bis 1918 in Deutschland (außer in den Hansestädten) verboten. Erst nach 1918 machten aus englischer Kriegsgefangenschaft heimkehrende Soldaten das Boxen in Deutschland populär.

Mit der Gründung des Deutschen Reichsverbandes für Amateurboxen (DRfAB) Ende 1920 entstand eine Organisation, die eine starke Entwicklung des Amateurboxens bewirkte. Im DRfAB waren 1929 etwa 300 Vereine und rund 48000 Mitglieder organisiert. Sie waren zum größten Teil Arbeiterjungen, die von den Vereinsführern bewusst von der Politik ferngehalten wurden im Namen des "unpolitischen Sports". 1934 wurde der Reichsverband , wie alle anderen bürgerlichen Sportverbände, von den Nazis "gleichgeschaltet" und in Deutscher Amateur Box Verband (DABV) umbenannt. Dieser wird nach Beendigung des zweiten Weltkrieges aufgelöst und der Boxsport wird als Wehrsportart in Deutschland von den Alliierten verboten.

1946 entsteht aus der FIBA die Association Internationale de Boxe Amateur (AIBA).

Im Jahr 1949 wird der Deutsche Amateur Box Verband (DABV) neu gegründet und 1958 folgt in der ehemaligen DDR der Deutsche Box Verband (DBV).

Bei den Olympischen Spielen 1972 in München ist die Trefferfläche auf den Handschuhen erstmals weiß abgesetzt und 1984 wird bei den olympischen Spielen in Los Angeles erstmals das Tragen eines Kopfschutzes Pflicht. Vier Jahre später wird der Mundschutz vorgeschrieben.

Am 8. Dezember 1990 wird in Bochum der Einigungsvertrag über die Zusammenführung des DABV und DBV zum 1. Januar 1991 unterzeichnet.

Seit 1993 ist der Kopfschutz bei allen Amateurveranstaltungen vorgeschrieben. 1995 wird das Frauenboxen vom DABV in seine Wettkampfbestimmungen aufgenommen.

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